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O-Töne aus Videoproduktionen zum Thema
"Suchtprävention"
Video
"Kanacks Drugs. Ein Video nicht-deutscher Jugendlicher
über ihre Erfahrungen mit Drogen"
(Ausschnitt)
Die 60minütige Videodokumentation
wurde von 4 jungen Migranten zu ihren Erfahrungen mit ihrer
Drogensucht über einen Projektverlauf von 3 Monaten produziert.
Nico: Ich bin hier geboren, hier aufgewachsen, hier kriminell
geworden, hier süchtig geworden, und das Problem soll hier
gelöst werden. Und nicht wie ihr das sonst macht, von der
Verantwortung euch löst und die Leute abschiebt.
Easy: Also ich hab angefangen mit Kiffen durch Zigaretten.
Also ich hab erst mal mit Zigaretten angefangen, ein halbes
Jahr bevor ich gekifft hab. Wo ich gekifft hab, das ist durch
meine Freunde gekommen, die haben mich etwas bedrängt, so.
Und ich wusste auch im ersten Moment nicht, dass das so krass
ist. Die haben gesagt, die haben mir das in die Hand gedrückt
und gesagt: Hier rauch Dir das. Das war mein 13 Geburtstag.
Ich wusste nicht richtig, worauf ich mich einlasse, nur dass
das irgendwas anderes ist, so. Ja, und eine Wirkung habe ich
etwas gespürt, ich hatte Durst und mein Mundraum hat sich
etwas komisch angefühlt. Ja, und dann, die Freunde haben mich
sehr stark beeinflusst zu der Zeit. Ich war auch sehr jung,
13, wo man sich noch sehr beeinflussen lässt. Ja, und in der
Schule hat sich auch einiges dadurch verändert. Das Gras verstärkt
die Launen und die Stimmungen, ja, und dadurch hatte ich öfters
Auseinandersetzungen mit den Lehrern. Ja, und über die Nichtkiffer
hab ich auch schlecht gedacht. Ich meine, das sind normale
Leute und vielleicht sind die in Ordnung, aber nur weil die
nicht kiffen, waren das damals zu der Zeit für mich Arschlöcher,
so Memmen, ihr kifft ja nicht und so.
Salih: Ich meine ersten Erfahrungen mit Drogen mit Joints
gemacht, also Haschisch kiffen. Mit Alkohol oder Zigaretten
hatte ich vorher keine Erfahrung. Das war auch meine erste
Tabakerfahrung, die ich gemacht hab. Ich hab mich mit Freunden
morgens um halb sieben, glaube ich, war das. Und damals hat
man noch mit 3 Blättchen gedreht. Und um das hinzukriegen,
haben wir, glaube ich, mehr als 2 Stunden gebraucht, um die
3 Blättchen zusammen zu kriegen, um den Joint überhaupt hin
zu kriegen. Und dann, als wir uns den geraucht haben, war
das schon ein komisches Erlebnis, in der Klasse zu sitzen
und alles mitzukriegen, aber trotzdem irgendwie seinen eigenen
Film zu fahren. Damals war das noch irgendwie was neues, noch
keine Erfahrungen mit Drogen. Ich war 12, 13, glaube ich,
und, ja, das war ne neue Entdeckung.
Nico: Wir waren ne Clique, so von 20, 30 Leuten. Das war in
Wuppertal, im Jugendhaus. Wir haben uns da getroffen. Und
so kam eins zum anderen. Der eine hat nen Joint mitgebracht,
da hab ich mal dran gezogen, und so kam das. Dann wollte ich
mal nen ganzen Joint ziehen.
Interviewer: Und wie lange hat es gebraucht, bis du von den
Joints auf die harten Drogen gekommen bist?
Nico: Ja, und dann haben die Freunde von mir angefangen, Heroin
zu dealen. Ja, und die haben versucht, mich mitzuziehen, am
Anfang wollte ich nicht, war ich mir nicht sicher. Ja, und
dann fing das langsam an, auch Heroin zu verkaufen. Aber ich
hab kein Interesse dran gehabt. Aber danach, so Tage danach,
habe ich mir das angeguckt, wie die Leute so drauf waren,
und wurde dann neugierig, so. Und dann hab ich es auch probiert,
Heroin.
Interviewer: Wusstest Du vorher schon, was Heroin ist, bevor
Du das gezogen hast?
Nico: Ja, so vom Hörensagen, bei uns hieß das nicht Heroin,
bei uns hieß das Schore.
Interviewer: Erzähl mal was
über Schore.
Ömer: Ja, das erste Mal hab ich das gesehen, die haben das
auf so´n Blech getan, so´n braunes Pulver, so. Zuerst hab
ich ja gedacht, das wär Haschischpulver, aber war es ja nicht.
War nur ein Witz. Ich wusste ja, das es Schore war. Ja, und
dann haben wir das so drauf getan, haben das durch so´n Röhrchen
gezogen, haben das geraucht. Ja, die anderen haben das gedrückt,
aber wir haben das nicht so bewusst aufgenommen, dass das
auch gedrückt wird. Für uns war das ein bisschen harmloser,
wegen kein Heroin, sondern bloß Schore, und nicht drücken,
sondern auf Blech rauchen.
Interviewer: Warum auf Blech rauchen, warum nicht drücken?
Nico: Ja, wir waren die Junkies, wir waren die Designer-Junkies,
wir haben nicht gedrückt, wir haben geraucht, wir waren cool.
Oma Elli: Erst hab ich gemerkt, wie er so bösartig geworden.
Und weil er immer so lieb war, auf einmal war er bösartig.
Was heißt jetzt bösartig, er hat mich nicht geschlagen oder
so was, aber immer, wenn ich was gesagt hab, da hat er immer
Widerworte gegeben. Da hab ich es gemerkt. Und er ist immer
Frühaufsteher gewesen, dann war er aber immer bis zum Nachmittag
am schlafen. Und wenn ich ihn dann wecken wollte, hat er immer
gesagt: Lass mich schlafen. Da hab ich zu meiner Tochter gesagt:
Hör mal, irgendwas stimmt nicht mit Ömer. Der ist bösartig
geworden, der schläft auch länger. Dann hab ich ein paar Tabletten
gefunden. Wenn ich ihn gefragt habe, hat er immer gesagt:
Das sind Kopfschmerztabletten. Dann hab ich mir, wie soll
ich das denn ausdrücken, hab ich geklaut. Ich hab sie zu meinem
Arzt gebracht, die Tabletten. Ja, und dann er mich so dumm
gefragt: Sag mal, wo hast Du die denn her. Dann habe ich ihm
aber gesagt, ich hab gesagt: Ich hab die bei meinem Sohn im
Kinderzimmer gefunden. Ja und dann hat er zu mir gesagt, ich
soll das beobachten, irgendwas stimmt nicht. Und dann hab
ich die Spritze gefunden, aber ich hab mir nicht dabei gedacht,
dass die Spritze irgendwie Drogen ist oder, ich weiß nicht,
wie man das so nennt. Und dann hab ich mir gedacht, weil immer
so spät nachhause gekommen, weil um 10 Uhr ist er immer spätestens
zuhause gewesen. Weil wir gesagt haben: Um 10 Uhr musst Du
zuhause sein. Das war er dann auch. Und wenn ich dann mal
gefragt hab: Was ist los? Ja, ich war mit meinem Freund weg.
Oder: Wir haben gefeiert. Der hat mir nie die Wahrheit gesagt.
Video
"Einschläge. Wenn die Chemie beim Feiern stimmt. Eine
Dokumentation über Ecstasy und Technokultur"
(Auschnitt)
Dokumentation von 3 jungen
WuppertalerInnen über die Zusammenhänge zwischen Techno und
Partykultur. Wochenende für Wochenende besuchten sie Partys,
knüpften Kontakte zu Gästen, DJ´s und Veranstaltern und sprachen
mit ehemaligen und aktuellen DrogennutzerInnen.
Sascha: Also jetzt nicht unbedingt alle Leute alle Drogen
aber im Prinzip jeder irgendwas davon. Auch nicht unbedingt
immer das gleiche zu jeder Party. Manchmal so ein bunter Mix
vielleicht. Und privat, glaube ich dann doch, auch 80% Haschisch
oder so.
DJ Boombase Gordon: Das gibt es überall, in jeder Szene, ich
sag mal, wenn es Hip Hop oder Rock ist oder halt Techno, überall
gibt es Drogen.
Frage: Wie oft machst Du so was?
Junge: Du, ich fresse eigentlich nur Pappen. Pillen finde
ich absolut scheiße im Prinzip, weil, wenn Du viele Pillen
frisst, so später mit 30, 40 Jahren, dann kannst Du aus Deinen
eigenen Gefühlen heraus nicht mehr lachen, weißt Du, dann
tust Du nämlich lachen und es gibt kein wahres Lachen mehr,
es ist kein Gefühl mehr da.
Franco: Ich bin dabei, das sein zu lassen, weil ich mir sage,
das bringt irgendwie doch nichts. Ich hab zwar dieses Gefühl
mit der Droge, aber das bringt nichts. Ich schade damit nur
meinem Körper. Frage: Du dopst Dich womit?
Franco: Wenn, dann habe ich Extasy und Pep ausprobiert.
Y.O.D.A.: Ja, ein bißchen Alkohol, aber sonst keine chemischen
Drogen oder so was, also das machen wir beide nicht. Am liebsten
Red Bull mit Wodka, das puscht gut hoch und ist Okay.
Björn: Harte Drogen, da lasse ich partout die Finger von.
Ich hab´s noch nie probiert, und ich werde es auch nie probieren.
Weil sie kommen aus irgendeiner chemischen Fabrik, und man
weiß nie was drin ist. Und man schmeißt sich dieses Zeug ein
und hat einfach keine Macht mehr, das rückgängig zu machen.
DJ Boombase Gordon: Ich sag mal, die Leute, die das nehmen,
die sind alt genug, und die müssen das wissen, die sind alt
genug. Aber man sieht´s ja auch selber, wenn Leute feiern
gehen, die kriegen ja überhaupt nichts mehr mit. Die laufen
dann einfach nur durch die Diskothek rum und kriegen dann
nichts mehr mit. Also meine persönliche Meinung ist, lieber
nichts nehmen. Von mir aus dann auch um 3, 4 Uhr nach Hause
gehen, aber ich habe ne schöne Nacht gehabt, frei, also ohne
Drogen.
Stephan: Grundsätzlich lassen sich Drogen nicht verhindern.
Wer´s nimmt, soll´s nehmen. Wenn ich mal ne Party hinkriegen
würde, wo keiner Drogen nimmt und der Abend trotzdem gut verlaufen
ist, wäre es eigentlich der beste Erfolg.
Tobias: Wir haben Drogen hier, das ist ganz klar, aber nicht
in großem Ausmaß, denke ich. Wir kontrollieren alle Leute.
Wir finden hin und wieder Drogen. Also ich kann es nicht verhindern,
wenn hier jemand hinkommt, schluckt 10 Meter vor dem Parkplatz
ne Tablette, kommt dann rein, sieht noch völlig normal aus
und ist 2 Stunden später völlig drauf. Das ist die gängige
Praxis, denke ich, heute.
Ralf: Technoszene und Drogen wird oft miteinander in klare
Verbindung gebracht. Ist mit Sicherheit auch was dran. Wobei
ich nicht sagen will, dass auf jeder Party jeder Drogen konsumiert.
Das ist mit Sicherheit ganz anders, aber es ist schon so,
dass Partydrogen in dieser Szene vermehrt genommen werden.
Junge: Es ist nicht so, dass alle Leute, die Techno feiern
gehen, Drogen fressen. Das ist einfach so abgestempelt, ein
Vorurteil.
Franco: Ich weiß ganz genau, ich könnte wahrscheinlich nicht
mehr richtig feiern gehen ohne Drogen. Das ist jetzt ehrlich
gemeint, und das kann nicht jeder zugeben.
Junge: Das ist für mich der zweite Teil vom Techno, weißt
Du. Das passt so, gehört irgendwie zusammen.
Björn: Das ist der reinste Schwachsinn, den ich je gehört
habe. Ich meine, da müsste ich ja auf ein Rockkonzert gehen
und mir da meine 30 Bier trinken, weil das dann auch wahrscheinlich
nicht anders geht. Ich meine, was ist das für ein Blödsinn.
Entweder mag man die Musik, und wenn man die Musik mag, dann
bewegt man sich automatisch dazu, und wieso muss dann da ne
Droge sein? Ich meine, die Leute schmeißen sich dann ja die
Droge ein, das hört sich für mich so an, weil sie die Musik
nicht ertragen können sonst, oder wie sieht das aus? Ich meine,
das ist doch völliger Scheiß.
Junge: Ich könnte nicht feiern gehen, ohne Teile oder irgendwie
so was. Das könnte ich mir gar nicht mehr richtig vorstellen.
Stefan: Leuten, die so drauf sind, denen sage ich normalerweise,
dass sie in der Szene meiner Meinung nach nicht unbedingt
was verloren haben. Weil es macht nicht unbedingt das aus,
dass ich ne Pille im Kopf habe, und dazu dann elektronische
Musik. Ich komme ohne Pillen und ohne Pep und Koks wesentlich
besser auf den Parties mittlerweile klar und kann dann wesentlich
länger und besser tanzen als alle anderen im Club, ohne mir
jetzt irgendwelche aufputschenden Mittel eingefahren zu haben.
Für mich gehört das auf gar keinen Fall unbedingt zwangsläufig
zusammen. Es ist auf jeden Fall ein netter Nebeneffekt, und
es ist meiner Meinung nach die beste Musik, auf der man chemische
Drogen nehmen kann, aber es gehört nicht unbedingt zusammen.
Stephan: Die meisten Leute in unserer Szene haben so ihre
Erfahrungen. Ich hab auch meine Erfahrungen gemacht. Und meine
Erfahrung ist eigentlich, dass, wenn man nichts nimmt, oder
wenn man sehr wenig nimmt, oder wenn man sehr sanfte Sachen
nimmt, da zähle ich Ecstasy nicht zu, dass man dann die bessere
Party hinkriegt. Und wenn Leute meinen, sie müssen was nehmen,
damit sie abends gut drauf sind, und damit sie ihr Herz mal
öffnen können, besteht bei den Leuten ein grundsätzliches
Problem. Wahrscheinlich noch nicht mal bei der Droge.
Lars: Techno ist für den, der es mag, auch eine Sache ohne
Drogen. Wenn Drogen mit ins Spiel kommen, ist natürlich klar,
das ist eine gefährliche Sache. Weil es steigert den positiven
Erlebniswert von Techno ins Unermessliche. Und deswegen werden
viele Leute sehr schnell dazu verleitet, dann auch regekmäßig
ihre Wochenenden, ihren Technokonsum mit Drogenkonsum in Verbindung
zu bringen.
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