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Video
"Hitan. Zur Beschneidung von muslimischen Jungen"
(Ausschnitt)

Dokumentation von Jugendlichen aus Eritrea, Türkei und Marokko zur Beschneidung

Abdel, 18 Jahre, Marokko: Es war vor 17 Jahren. Ich war 3 Jahre alt und es war in einem kleinen Dorf, wo mein Vater herkommt. Ja, und ich wusste am Anfang gar nicht, was abläuft. Sie haben mich irgendwie gekleidet mit weißen Sachen und grüner Mütze. Da hatte ich schon ein komisches Gefühl: "Was geht denn jetzt ab?" Ja, und auf einmal haben sie mich in ein Zimmer gebracht. Da lief Lalla und alle waren am abfeiern, aber ich wusste immer noch nicht den Grund. Meine Onkels haben mich dann auf den Boden hingesetzt vor so ein Teil mit Sand. Dann kam auf einmal so ein Opa, und den habe ich ganz kurz angeguckt. Er hatte einen Turban auf und war ziemlich alt. Auf einmal hat mich mein Onkel von der Seite angesprochen, "Wir gehen gleich in die Stadt spazieren." Ich habe ihn interessiert angeschaut. Ja, und da ist es passiert! Das war ohne Narkose, einfach so: Mann, Schwere und ich. Ich habe dann auch mal nach unten geguckt. Da war nur Blut und so, ziemlich versaut. Sie haben mich wieder angezogen, und es lief weiter Lalla. Und, Freunde, jetzt ist die Haut weg. Ich lag 3 Tage im Bett und hatte einen ziemlich Hass auf meinen Onkel.

Das war eine große Schwere und der war ein ziemlich alter Mann mit so einem ausdruckslosen Gesicht. Und seine Hände ­ zitternd. Aber er hat es gut gemacht. Dafür dass er es nur mit einer Schere gemacht hat, ist nichts schief gelaufen. Aber ich hatte scheinbar solche Schmerzen, dass ich den ganzen Tag geheult habe. Mir wurde Essen und alles angeboten, aber ich habe alles abgelehnt. Ich habe geheult wegen den Schmerzen und weil ich nicht darauf vorbereitet war. Also beim Sex ­ ehrlich gesagt, so von wegen, man kann länger (wenn man beschnitten ist) ­ kann ich nicht behaupten. Ich find´s gut, aber ich fühle mich da nicht schöner, so wie der aussieht. Ich find es einfach ok, und ich werde auch meine Söhne beschneiden lassen.

Video "Enthüllungen" (Ausschnitt)

Das Video "Enthüllungen" wurde von einer Gruppe muslimischer Mädchen und jungen Frauen im Alter von 12 bis 22 Jahren aus verschiedenen Herkunftsländern, die selbst Kopftücher tragen, unter Anleitung einer kurdischen Filmemacherin selbst produziert.

Amani: Heute ist mein Kopftuch, und morgen ist es dann, weil ich eine Farbige bin, und übermorgen ist es dann, weil ich ne Frau bin. Das sind Leute, mit denen kann ich nichts anfangen. Also die haben an allem irgendwas auszusetzen.

Sahar: Mein Name ist Sahar. Ich bin 22 Jahre alt, bin Erzieherin und hier in Wuppertal geboren. Meine Eltern kommen aus Jordanien. Ich trage das Kopftuch aus Überzeugung, und ich trage das schon seit der 5. Klasse. Und damals, als ich anfangen wollte, das war für mich so wahnsinnig schön. Ich hatte immer andere Mädchen und Frauen gesehen, die das Kopftuch trugen. Mir hat das so wahnsinnig gut gefallen, weil das so gut aussah. Ja, damals war´s halt, weil es so schön aussah, aber ich wusste halt auch, warum eine Muslimin ein Kopftuch tragen sollte, und habe es dann halt auch dementsprechend aus Überzeugung aus Überzeugung gemacht. Wobei meine Eltern am Anfang noch nicht so begeistert waren, weil ich noch sehr, sehr Jung war. Aber sie standen hinter meiner Entscheidung und haben mich sehr unterstützt. Also das Kopftuch schränkt mich überhaupt nicht ein. Ich trage es sehr gerne und fühle mich sehr wohl dabei.

Es ist einfach ein Teil von mir. Also was zum Beispiel auch oft gedacht wird, klar, ich kann nicht in öffentliche Schwimmbäder gehen oder in Freibäder. Aber es gibt oft, in vielen Städten, Möglichkeiten für muslimische Frauen und Mädchen schwimmen zu gehen, und diese Möglichkeiten nehmen wir dann auch wahr. Ja, die Erfahrungen, die ich gemacht habe, seit ich Kopftuch trage, sind sehr, sehr unterschiedlich. Also klar, einige finden das sehr schön, wenn man eins trägt, andere wiederum würden es am liebsten direkt runterreißen. Schon in der Stadt oder so, Fremde, die man noch nicht einmal kennt. Auf der anderen Seite ist es aber auch so, also ein Beispiel, dass ich ganz oft erlebe, ist, wenn ich in der Stadt bin, dass die Leute sich nach mir umdrehen, oder halt wirklich kucken und was dazu sagen. Was mir nach einer gewissen Zeit nicht mehr aufgefallen ist. Geht man mit jemandem wirklich ganz fremden in die Stadt, dann drehen die sich wirklich um und sagen: Kuck mal, wie die gekuckt haben. Hast Du das gesehen, oder so. Und das fällt mir halt einfach nicht mehr auf, weil, ja, ich trage das jetzt schon ziemlich lange, dementsprechend ist das für mich ganz normal.

Hafsa: Ich heiße Hafsa, bin 12 Jahre alt, gehe in die 7. Klasse. Ich trage das Kopftuch jetzt seit einem Jahr. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Ägypter. Als ich in der 5. Klasse Kopftuch tragen wollte, haben mir meine Eltern mir das nicht erlaubt, weil ich zu jung war. Und sie hatten Angst, dass die Kinder aus meiner Klasse, dass ich Probleme kriege und so. Dann habe ich gesagt: Ich mache das in der 7. Klasse. Und das war dann besser für mich.

Als ich den 1. Schultag in die Schule gekommen bin, bin ich zu spät gekommen, weil ich den Raum nicht gefunden hab. Und das war dann schon das erste Problem. Und als ich mit meinem Vater auf dem Flur war, haben wir den Lehrer gefragt, sind wir in ein Klassenzimmer gegangen, haben ihn gefragt, wo unser Raum ist, sind wir dahin gegangen. Und dann sind wir rein gegangen, habe ich angeklopft, hatte ich furchtbare, dass ich, ich weiß nicht, dass die mich auslachen und so. Als ich in die Klasse gekommen bin, bin ich dann rein gegangen, alle haben mich angekuckt, haben nach hinten gekuckt. Ich stand hinten. Mein Vater hat entschuldigt, dass ich zu spät gekommen bin. Ich hab meine Jacke aufgehängt. Alle haben mich angekuckt, hinter mir her gekuckt. Dann habe ich die Tasche hingelegt, auf den Boden. Dann habe ich mich hingesetzt. Alle haben mich angekuckt. Meine Nachbarin redet gar nicht mit mir, kuckt so nach vorne zum Lehrer und ist irgendwie sauer auf mich. Da hatte ich irgendwie furchtbare Angst am Anfang, als sie nicht mit mir geredet hat, dass keine mehr meine Freundin sein will. Dann war Pause. Dann hat meine Lehrerin mich mit raus geschickt und meinte so zu mir: Willst Du nicht erklären, warum Du das Kopftuch trägst? Und dann meinte ich zu ihr: Ja, lieber nicht, weil ich muss mich erst dran gewöhnen. Dann kamen die anderen Kinder zu mir, fragen die: Ist Dir nicht heiß? Was machst Du im Sommer? Wie war das? Ich hab Dich gar nicht wieder erkannt.

Ziehen die mir das Kopftuch so ein bißchen hoch. Und das war, ich hatte furchtbare Angst. Und dann auf einmal, die waren alle so nett zu mir. Und die Jungs haben das so locker genommen, und die haben gar nichts dazu gesagt. Die haben mich so akzeptiert wie ich bin. Das war eigentlich ganz normal, wie vorher. Ich hab den Mädchen meine Meinung gesagt, und hab gesagt: Ich bin wie ich bin, ob mit Kopftuch oder ohne. Und die haben das am Anfang nicht akzeptiert. Und im Sportunterricht kamen die zu mir und sagten: Wie kannst Du nur mit Kopftuch Sport machen und so. Und im Unterricht haben die mich beleidigt und haben gesagt, das wäre Regenschutz. Am Anfang, aber jetzt, ich hab denen meine Meinung gesagt und hab denen gesagt: Ich bin so wie ich bin, und wenn Ihr mich nicht haben wollt mit Kopftuch, dann habt Ihr Pech gehabt. Und das haben die dann akzeptiert.

Arzu Toker (Schriftstellerin): Die Begründung ist, dass die Frauen mit ihren offenen Haaren die Männer sexuell anregen. Und für mich als eine Frau kommt es nicht in Frage, das zu akzeptieren. Denn ich kann auch die Haare eines Mannes sexy finden. Was ist mit ihm? Habe ich keine Sexualität? Und ich glaube auch nicht, dass Männer so primitiv sein müssen, dass sie jede Frau, die kein Kopftuch trägt, anfallen. Sicherlich sind Haare schön, sicherlich wünscht man sich auch manchmal, lange Haare mal zu streicheln oder zu berühren. Aber die Frage ist immer eine Frage der Zivilisation. Ist unsere Gesellschaft so verwildert, dass wir die Haare, die eventuell den Wunsch, sie zu streicheln, erwecken, verbieten müssen, unter Kopftüchern verstecken müssen, um die Menschen, die Männer und Frauen, sexuell in Zaum zu halten? Das ist, glaube ich, die Kernfrage. Und ich schätze mich persönlich so ein, dass für mich die Männer ihre Haare nicht bedecken brauchen. Ich werde sie nie überfallen. Also ich denke, wenn es überhaupt einen Gott gibt, gegebenenfalls es gibt ihn, ich stelle ihn mir nicht so erbärmlich vor, dass er sagt: Ich hab zwar die Frau erschaffen, aber ihren Kopf soll sie bedecken, und wenn nicht, dann geht sie in die Hölle. Das ist für mich zu arm, zu menschlich gedacht.

Es gibt für mich eine einzige Alternative und das ist die der humanistischen Philosophie. Dass ich mich als Mensch begreife, die Freiheit begreife und fähig bin, die Grenzen meiner Freiheit da aufhören zu lassen, wo die Freiheit anderer anfängt. Wenn ich fähig bin, meinen Freiheiten selbst Grenzen zu setzen, nämlich die, die die Grenzen anderer nicht stört, dann wird meine Freiheit ohne Kopftuch niemanden sexuell provozieren oder aggressiv auf mich stimmen, weil auch die anderen sich von einer humanistischen Philosophie leiten lassen werden. Und die Reduzierung der sexuellen Seite auf die Haare ist mir auch zu diskriminierend, denn manchmal kann ein Wort viel erotischer sein als ein Bündel Haare. Wie wollen wir das beurteilen? Was mache ich, wenn ich eine Frau bin, die mit dem Wort erotisch wirken kann? Dann hilft es auch nicht, dass ich Schleier anhabe. Dann werde ich jeden Mann natürlich sexuell provozieren. Und ich denke auch, dass Blicke sehr eindrucksvoll sein können.

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