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Interkulturelle Arbeit
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O-Töne aus Videoproduktionen zum Thema »Interkulturelle Arbeit«
Im »Zyklus Interkulturelles Zusammenleben« wurden in (bisher) 5 Projekten mit verschiedenen Gruppen von deutschen und eingewanderten Jugendlichen Videodokumentationen zu verschiedenen Aspekten der kulturellen Identität produziert. In Rahmen »Zyklus Interkulturelles Zusammenleben« produzierten jeweils über mehrer Monate angeleitet durch Medienpädagogen verschiedene Jugendgruppen 5 dokumentarische Features zu den Themen »Kopftuchtragen von muslimischen Mädchen« (Video Enthüllungen), zum Drogenkonsum nichtdeutscher Jugendlicher (Video Kanacks & Drugs), zum Thema »Vorehelicher Beziehungen und Sexualität eingewanderter Mädchen« (Video Das Siegel), über rassistische Diskriminierungen von schwarzen Jugendlichen (Video Ich und Ich – DiasporAfro) und über das Leben und Zusammenleben von Jugendlichen verschiedener Kulturen in Israel und Deutschland (Video In Or Between).
Alle Filme wurden in Wuppertaler Kinos mit anschließender Publikumsdiskussion uraufgeführt und werden nun i ganz Deutschland sehr erfolgreich als Bildungs- und Aufklärungsmittel vertrieben.
Die pädagogische Leitidee des Projektes ist: Jugendliche klären am besten andere Jugendliche auf. Das Medium Video dient als Reflexions- und Kommunikationsmittel. Authentische Inhalte aus junger Perspektive werden mit einer professionellen Filmproduktion und -distribution verknüpft, um so ein massenhaftes junges Zielpublikum zu erreichen. Die Projekte sollten den jeweils vom Thema »betroffenen« Jugendlichen eine Möglichkeit zur breiten medialen Artikulation mittels selbstproduzierter Videos gegenüber anderen Jugendlichen geben. (Konzept: Peerinvolvement).
Die Filme haben bei den Teilnehmern und den Rezipienten folgende Wirkungsebenen:
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Biografische Reflexion, Auseinandersetzung und Artikulationsmöglicheit für die jungen FilmemacherInnen als Subjekt und zugleich Objekt der Filme
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Kennenlernen und Akzeptanz der eigenen und anderen Kultur durch thematische Auseinandersetzung mit den positiven wie problematischen, unterschiedlichen Sicht- und Erfahrungsweisen
- Identitätsstärkung, Solidaritätseffekt
- Verstärkung von Kooperation und Kommunikation
- Politische, gesellschaftliche und persönliche Interessenvertretung gegenüber anderen Jugendlichen aber auch Erwachsenen, Politikern, Medienvertretern.
Die jungen FilmemacherInnen nutzten die Ihnen vermittelte Medienkompetenz und Publikationsmöglichkeit für ihr inhaltliches Interesse. Das Medium Video konnte die für sie wichtigen emotionale wie kognitive Ebene zum Thema verknüpfen und als Kommunikationsmittel anderen Jugendlichen präsentieren. So sind sie Filmemacher, Autoren, Interviewer und Interviewte zugleich und hierbei immer authentische Botschafter ihrer Message.
Wirkung des Projektes
Durch das Projekt wurden die angestrebten Ziele erreicht:
- Das Verständnis der jugendlichen Teilnehmer verschiedener kultureller Herkunft für ihre eigene Kultur und die ihnen fremde Kultur wurden verbessert. Durch ihre filmische Artikulation erfahren sie eine verbesserte gesellschaftliche Partizipation
- Genauso wurde (und wird) bei den Rezipienten der Filme das Verständnis für die eigene Kultur und die ihnen fremde Kultur verbessert.
- Jugendliche Peers haben so andere Jugendliche authentisch und selbstbestimmt aufgeklärt und eine Brücke der Verständigung zwischen jungen Menschen verschiedener Kulturen geschaffen
- Außerdem nehmen eingewanderte Jugendliche genauso wie deutsche Jugendliche gemeinsam an thematisch unspezifischen Videoprojekten quer durch alle Filmgenres teil und haben so durch die gemeinsame, kooperative Filmproduktion und deren gemeinsame Rezeption im Kino »normale« interkulturelle Erlebnisse. Durch den Vertrieb der Filme als Bildungsmittel an Schulen, Jugendeinrichtungen, Beratungsstellen, Vereine, Universitäten etc. und auf Filmfestivals haben sie bundesweit jeweils mehrere 10.000 ZuschauerInnen
Beispiel 1:
Enthüllungen
Ein Video zum Kopftuch-Tragen von muslimischen Mädchen und jungen Frauen in Deutschland
Das Video »Enthüllungen« wurde von einer Gruppe muslimischer Mädchen und jungen Frauen im Alter von 12 bis 22 Jahren aus verschiedenen Herkunftsländern, die selbst Kopftücher tragen, unter Anleitung einer kurdischen Filmemacherin selbst produziert. Im Mittelpunkt des Films steht das »Kopftuch«, für die einen selbst gewählter und freier Teil und Ausdruck ihrer Religion, für andere Teil eines Frauen und ihre Sexualität unterdrückenden patriarchalen Religions- und Kultursystems. In drei Personenportraits der 12jährigen Hafsa, der 17jährigen Amani und der 22jährigen Sahar wird gezeigt, wie und warum diese Muslima mit dem Kopftuch leben, und wie ihr privates, schulisches und Arbeitsumfeld reagiert.
Eine deutsche erwachsene Muslima beschreibt die religiösen Wurzeln im Koran, eine Schriftstellerin erklärt, warum für sie das Kopftuch-Tragen als Teil einer männerbestimmten Religion die weibliche Sexualität unterdrückt. Interviews mit deutschen und türkischen Mädchen und Jungen zeigen aus verschiedenen Sichtwinkeln teils Verständnis und teils Vorbehalte gegen den Brauch. Zwei Kopftuch-tragende Mädchen berichten von ihren Schwierigkeiten bei der Job-Suche.
Beispiel 2:
Kanacks & Drugs
Ein Video nicht-deutscher Jugendlicher über ihre Erfahrungen mit Drogen
Die 60minütige Videodokumentation wurde von 4 jungen Migranten zu ihren Erfahrungen mit ihrer Drogensucht unter Anleitung einer kurdischen Medienpädagogin über einen Projektverlauf von 3 Monaten produziert. Der Film zeigt authentisch aus junger, subjektiver Perspektive Informationen, Erfahrungen und Meinungen über das Leben mit Drogen zwischen den Kulturen. Die Jugendlichen erzählen von ihren unterschiedlichen Suchtverläufen (manchmal übers Kiffen) zum Spritzen oder Rauchen von Heroin, von den Fehlern von ihnen selbst und anderen, die sie süchtig machten, vom Dealen und den sich verändernden Beziehungen zu ihren Familien, von den Erfahrungen mit Polizei und Gericht und dem (Drogen)Leben im Knast, vom Ausstieg von der illegalen harten Droge zu Methadon, zu anderen weichen Drogen oder zur Abstinenz, zum Engagement gegen die Sucht.
Sie beschreiben, was und wer ihnen in ihren harten Suchtphasen geholfen hat und wer nicht, und was ihnen heute hilft, clean zu bleiben. Die Geschichte eines Beteiligten wird außerdem aus der solidarischen Perspektive seiner Mutter erzählt: Wie sie erst (viel zu) spät das zweite Suchtleben ihres Sohnes entdecken und der Vater selbst die Polizei holt, von den unzähligen fruchtlosen Versuchen, ihr Kind von den Drogen zu trennen bis zu mehrfachen Zwangaufenthalten im türkischen Heimatland, und wie sie mit viel persönlichem Aufwand – zuletzt erfolgreich – für ihren Sohn und gegen die Droge gekämpft hat und ihn während des Entzuges und einem drogenfreien Leben unterstützte.
Beispiel 3:
Das Siegel
Ein Video von und mit jungen Frauen nichtdeutscher Herkunft über die Möglichkeiten und Grenzen vorehelicher Partnerschaften
Eine Frage der Ehre oder verlorene Zeit – Fünf junge Frauen nicht-deutscher Herkunft und unterschiedlicher Religionszugehörigkeit erzählen in Portraits über ihre Erfahrungen, die Möglichkeiten und Grenzen von vorehelichen Partnerschaften mit dem besonderen Blickpunkt auf die Wichtigkeit ihrer Jungfräulichkeit. Zusammen mit einer kurdischen Medienpädagogin produzierten sie im Rahmen eines siebenmonatigen Projektes ein genauso subjektives wie authentisches dokumentarisches Feature. Die 17jährige Griechin Elena erzählt ihre Erfahrungen von Diskriminierung unter ihren Landsleuten, als sie sich auch für sie unerwartet in einen deutschen Jungen verliebt. Sie weiß nicht, wie sie dies ihren Eltern erzählen kann. Die 16jährige Janine aus Togo beschreibt die Probleme mit ihrem deutschen Freund, der sie immer eifersüchtig bestimmen will. Gegenüber ihrer katholischen Mutter darf sie vor der Ehe keinen Sex haben.
Die 20jährige Türkin Pinar (Name geändert) hat einen türkischen Freund, der in der Türkei lebt. Wovon die Mutter nicht wissen darf, unterstützt der Vater, nachdem er durch die Telefonrechnung von der Beziehung erfährt. Aber auch Pinar darf keinen Sex vor der Ehe haben. Die 17jährige türkische Schülerin Funda will und darf keinen Freund haben, um nicht das gegenseitige Vertrauen ihrer Eltern zu missbrauchen. Sie stört, dass ihr Bruder viel mehr darf. Sexualität gehört für sie in die Ehe, die Familieehre sollte in ihren Augen jedoch nicht an der Jungfräulichkeit der Tochter festgemacht werden.
Die jungen FilmemacherInnen interviewen neben Familienangehörigen auch Jungen nicht-deutscher Herkunft, die zur Jungfräulichkeit ihrer potentiellen Ehefrauen eher unreflektierte traditionelle aber auch gleichberechtigte Meinungen äußern, für sich selbst jedoch durchweg die Wichtigkeit ihres lustorientierten, vorehelichen Sexlebens betonen. In einem Interview erklärt eine türkische Psychologin, warum Jungfräulichkeit in der islamischen Kultur als Instrument benutzt wird, um die Sexualität der Frauen fremd zu bestimmen.
Beispiel 4:
Ich und ich DiasporAfro
Schwarze Jugendliche erzählen über rassistische Hintergründe und ihren daraus entstehenden Diskriminierungserfahrungen
Eine Gruppe von schwarzen Jugendlichen aus verschiedenen afrikanischen Ländern beschreibt stolz und zugleich verletzt Diskriminierungserfahrungen als Schwarze in Deutschland in Zusammenhang mit gesellschaftlichen und historischen Hintergründen. »In Afrika träumt man von einem schönen Deutschland, hier erlebt man dann aber Rassismus.«
Sie erzählen vielfältige Beispiele von diesem alltäglich erlebten Rassismus in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Schule und am Arbeitsplatz, im Restaurant, beim Sport, bei der Wohnungssuche, bei der Polizei. Wenn sie von »Weißen« als »Neger« oder »Mischling« beschimpft werden, fühlen sie sich – wie früher – als »Sklaven« behandelt. Wie in dem Spiel »Wer hat Angst vorm schwarzen Mann« empfinden sie »schwarz« in der westlichen Gesellschaft als negativ besetzt. Schwarze werden als Diebe, Drogendealer, Gewalttätige stigmatisiert und als fremde Bedrohung empfunden. Das ihnen begegnende Bild von Afrika besteht vor allem aus Krieg, Armut und Gewalt, aber selten wird nach den Gründe hierfür gefragt. Diese sehen die Jugendlichen in der kolonialistischen Vergangenheit, der Ausbeutung der Rohstoffe ihrer Länder noch heute, in einem ungerechten Weltwirtschaftssystem, im Waffenhandel der Industrieländer.
Dadurch dass »Weiße« den Schwarzen ihre Kultur, ihre Sprache, ihre Religion, ihre Namen, ihren Boden nahmen, fühlen sie sich entwurzelt, wurde ihnen ein fremdes System »mit der Peitsche« aufgezwungen. Auf den oft gehörten Spruch «Geht zurück in euer Land« sagen sie »Würdet Ihr das nicht zerstören, würden wir gerne zurück und wären wir auch nie hier.« Sie wollen hier in Deutschland nicht bevorzugt und nicht benachteiligt werden; sie wollen Gleichberechtigung. Auf die ewige Diskriminierung haben sie »keinen Bock mehr«. »Wenn ein schwarzer Panter in der Ecke sitzt und mit Steinen beworfen wird, dann wundert Euch nicht, wenn er sich wehrt!« Dieser Film gehört dazu. Die Beschreibungen und Analysen der schwarzen Jugendlichen werden durch politische Raps und historische und aktuelle dokumentarische Bilder kontrastiert.
Beispiel 5:
In or Between
2 Videos über das Leben von Jugendlichen in Israel und Deutschland in und zwischen ihren Kulturen
Über das Leben von Jugendlichen in Israel und Deutschland zwischen ihren Kulturen Vier israelische Jugendliche (davon 2 jüdisch und 2 palästinensisch-israelisch) und vier Jugendliche aus Deutschland (davon 2 deutschstämmig und 2 aus zugewanderten Familien) produzieren gemeinsam zwei Videodokumentationen in Deutschland und Israel über das Leben und Zusammenleben von Jugendlichen verschiedener Kulturen in beiden Ländern. Der Dreh des ersten Teiles in Deutschland fand im Oktober 2001 statt und wird im April 2002 in Israel und Deutschland uraufgeführt.
Die Produktion des zweiten Filmes in Israel mit der gleichen Gruppe wurde Ende März bis Anfang April 2002 durchgeführt und wird im Sommer 2002 in beiden Ländern uraufgeführt. Anschließend werden die beide Filme international vertrieben und auf Festivals präsentiert. Die Dreharbeiten bestanden weitgehend aus gegenseitigen muttersprachlich geführten und übersetzten Interviews der Jugendlichen untereinander. Die Jugendlichen wurden filmisch unterstützt durch deutsche und israelische Filmemacher, Medienpädagogen und Dolmetscher. Die Produktion wurde auf professionellem DV-Videoequipment realisiert. Der Film fokussiert das Leben von acht jungen Menschen verschiedener Kulturen in Israel und Deutschland durch selbsterzählte Geschichten.
Thematisch stand in diesem ersten Teil des Projektes das Leben und Erleben der Wuppertaler Jugendlichen in Deutschland und die Einschätzungen der israelischen Jugendlichen hierzu im Vordergrund. Das inhaltlich entscheidende Setting des Projektes war: Jugendliche standen vor und hinter der Kamera und erreichten als Subjekt und Objekt ihres Filmes eine hohe persönliche Authentizität. Das hieß praktisch: Ein israelischer und ein arabischer Jugendlicher teilten sich Kamera und Mikrofon und führten Interviews an inhaltlich passenden Drehorten.
Die Wuppertaler Jugendlichen oder ergänzende Personen aus ihrem nahen Lebensumfeld erzählten ihre Geschichten und Meinungen, welche dann wiederum durch die israelischen Jugendlichen auf Grund ihrer Lebenswelt vor einer zweiten Kamera kommentiert wurden. Die Interviews wurden ergänzt durch dokumentarisches persönliches Video- und Fotomaterial. Außerdem reflektierten die israelischen Teilnehmer, abends zurück in der Gastfamilie, jeweils ihre Eindrücke des Tages in einem Video-Tagebuch. Um die Interviews herum wird das Zusammentreffen und Erleben der acht Jugendlichen mit der kulturellen Reise in die eigene oder andere Welt visualisiert. In dem Film werden verschiedene, auch gegensätzliche Meinungen und Geschichten mit oder ohne Verständnis für »den anderen« nebeneinander gestellt ein ehrlicher Film ohne Happy End. Indem die Protagonisten ihre persönlichen Erlebniswelten beschreiben, reflektieren sie aus junger Sichtweise die Perspektiven ihrer Gesellschaften und schlagen so eine Brücke der Verständigung zwischen den verschiedenen Kulturen.
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